Gürtelrose-Impfung kann das Demenzrisiko senken
Neue Studienergebnisse geben Hoffnung

Hoffnungsvolle Entdeckung in der Demenzforschung
Eine Impfung, die ursprünglich zum Schutz vor einer schmerzhaften Virusinfektion entwickelt wurde, könnte künftig eine wichtige Rolle in der Demenz-Prävention spielen. Mehrere internationale Forschungsteams haben in den vergangenen Monaten übereinstimmend festgestellt: Menschen, die gegen Gürtelrose geimpft sind, erkranken seltener an Demenz.
Diese Erkenntnisse könnten für Millionen Menschen von großer Bedeutung sein. Weltweit leben mehr als 55 Millionen Menschen mit einer Demenz-Erkrankung – Tendenz steigend. Bislang gibt es kaum wirksame Möglichkeiten, dem geistigen Abbau im Alter vorzubeugen. Die aktuellen Studienergebnisse zur Gürtelrose-Impfung eröffnen nun einen vielversprechenden Ansatz.
Im Marion von Tessin Memory-Zentrum in München beobachten wir diese Entwicklungen mit großem Interesse. Als spezialisiertes Kompetenzzentrum für Demenz-Diagnostik und -Betreuung möchten wir Sie über diese wichtigen Forschungsergebnisse informieren und erläutern, was sie für Betroffene und Angehörige bedeuten.
Die Studienergebnisse im Überblick
Die bedeutendste Untersuchung wurde im April 2025 in der renommierten Fachzeitschrift Nature veröffentlicht. Ein internationales Forscherteam unter Leitung der Stanford University und des Heidelberger Institute of Global Health analysierte Gesundheitsdaten von über 280.000 Erwachsenen in Wales.
Das Besondere: Die Wissenschaftler nutzten eine einmalige Situation. In Wales wurde die Gürtelrose-Impfung im Jahr 2013 nur für Menschen eingeführt, die nach einem bestimmten Stichtag geboren wurden. Wer auch nur einen Tag früher zur Welt kam, hatte keinen Anspruch auf die Impfung. Dadurch entstanden zwei Vergleichsgruppen, die sich nur durch den Impfstatus, nicht aber durch Lebensstil oder Gesundheitsbewusstsein unterschieden.
Das zentrale Ergebnis: Über einen Beobachtungszeitraum von sieben Jahren entwickelten geimpfte Personen etwa 20 Prozent seltener eine Demenz als nicht geimpfte Menschen.
Diese Ergebnisse wurden mittlerweile durch weitere Studien aus Australien, den USA und England bestätigt. Überall zeigt sich dasselbe Bild: Die Gürtelrose-Impfung scheint einen schützenden Effekt auf die kognitive Gesundheit zu haben.

Lassen Sie sich beraten: insbesondere wenn Sie 60 Jahre oder älter sind oder zu einer Risikogruppe gehören.
Besonderer Schutz für Frauen
Ein bemerkenswerter Befund der Studien: Die schützende Wirkung der Impfung zeigt sich bei Frauen deutlich stärker als bei Männern. Die Gründe dafür sind noch nicht vollständig geklärt.
Wissenschaftler vermuten geschlechtsspezifische Unterschiede in der Immunantwort als mögliche Erklärung. Frauen entwickeln im Durchschnitt eine kräftigere Antikörperreaktion auf Impfungen. Zudem treten sowohl Gürtelrose als auch Demenz bei Frauen häufiger auf als bei Männern – was den größeren Nutzen einer Prävention erklären könnte.
Diese Erkenntnisse unterstreichen die Bedeutung der Impfung insbesondere für Frauen ab 60 Jahren. Im Marion von Tessin Memory-Zentrum beraten wir Sie gerne zu individuellen Präventionsmöglichkeiten.
Mehr als nur Demenzschutz
Die positiven Effekte der Gürtelrose-Impfung beschränken sich offenbar nicht auf den Schutz vor Demenz. Verschiedene Untersuchungen deuten darauf hin, dass auch das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen sinkt.
Aktuelle Studienergebnisse zeigen:
✓ 24 Prozent weniger schwerwiegende Herz-Kreislauf-Ereignisse bei geimpften Diabetikern
✓ Etwa 20 Prozent weniger Schlaganfälle
✓ Geringeres Risiko für Herzinfarkte
✓ Erste Hinweise auf Schutz vor chronischen Atemwegserkrankungen
Diese vielfältigen Schutzeffekte machen die Impfung zu einer wertvollen Präventionsmaßnahme für die Gesundheit im Alter.
Wie wirkt der Impfschutz?
Die genauen Mechanismen, durch die die Gürtelrose-Impfung vor Demenz schützt, sind noch nicht vollständig verstanden. Wissenschaftler diskutieren verschiedene Erklärungsansätze:
1. Verhinderung von Entzündungsprozessen
Die Gürtelrose kann Entzündungsreaktionen im Nervensystem auslösen, die möglicherweise das Fortschreiten einer Demenz beschleunigen. Die Impfung verhindert diese Entwicklung in den meisten Fällen.
2. Rolle des Adjuvans AS01
Neuere Forschungen legen nahe, dass nicht nur das Virus-Antigen, sondern auch der Wirkverstärker (Adjuvans) AS01 eine schützende Wirkung entfaltet. Dieser Bestandteil aktiviert das Immunsystem auf eine Weise, die möglicherweise auch die Amyloid-Ablagerungen im Gehirn reduziert – ein Kennzeichen der Alzheimer-Demenz.
3. Schutz der Blutgefäße
Die Verhinderung von Entzündungen könnte auch dazu beitragen, dass seltener Blutgerinnsel entstehen, die Gefäße verschließen können – ein wichtiger Faktor sowohl für Schlaganfälle als auch für vaskuläre Demenzen.
Was bedeutet das für Sie?
Im Marion von Tessin Memory-Zentrum betrachten wir diese Forschungsergebnisse als wichtigen Fortschritt in der Demenz-Prävention. Während die genauen Wirkmechanismen noch erforscht werden, sprechen die vorliegenden Daten eine klare Sprache: Die Gürtelrose-Impfung bietet einen messbaren Schutz.
Für München und Umgebung bedeutet das: Menschen ab 60 Jahren sollten die Möglichkeit der Gürtelrose-Impfung mit ihrem Hausarzt besprechen. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die Impfung bereits seit 2018 – aus gutem Grund.
Der aktuell verwendete Totimpfstoff Shingrix schützt zu über 90 Prozent vor der schmerzhaften Gürtelrose. Die zusätzliche präventive Wirkung gegen Demenz und Herz-Kreislauf-Erkrankungen macht die Impfung zu einer noch wertvolleren Gesundheitsmaßnahme.
Unser Team im Memory-Zentrum steht Ihnen für Fragen zur Verfügung. Wir bieten umfassende Beratung zu Präventionsmöglichkeiten und unterstützen Sie bei allen Aspekten rund um das Thema Demenz – von der Früherkennung bis zur Betreuung.
Was Sie jetzt tun können
Basierend auf den aktuellen Forschungsergebnissen empfehlen wir folgende Schritte:
- Sprechen Sie mit Ihrem Hausarzt über die Gürtelrose-Impfung – insbesondere wenn Sie 60 Jahre oder älter sind oder zu einer Risikogruppe gehören.
- Nutzen Sie die Kostenübernahme: Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten für die Impfung bei Menschen ab 60 Jahren.
- Denken Sie an die zweite Impfdosis: Für den vollständigen Schutz sind zwei Impfungen im Abstand von zwei bis sechs Monaten erforderlich.
- Kombinieren Sie die Impfung mit anderen Präventionsmaßnahmen: Bewegung, gesunde Ernährung, soziale Kontakte und geistige Aktivität bleiben wichtige Bausteine der Demenz-Prävention.
- Lassen Sie sich beraten: Im Marion von Tessin Memory-Zentrum bieten wir individuelle Beratung zu allen Fragen rund um Demenz-Prävention und Früherkennung.
Unser Fazit
Die aktuellen Forschungsergebnisse zur Gürtelrose-Impfung sind vielversprechend. Sie zeigen, dass eine einfache, gut verträgliche Impfung möglicherweise einen wichtigen Beitrag zur Demenz-Prävention leisten kann. Mit einer Risikoreduktion von etwa 20 Prozent und zusätzlichem Schutz vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen bietet die Impfung einen erheblichen gesundheitlichen Nutzen.
Besonders ermutigend ist, dass in Deutschland derzeit nur etwa jeder fünfte Mensch über 60 Jahren geimpft ist. Das bedeutet: Es gibt noch großes Potenzial, durch bessere Aufklärung und höhere Impfquoten die Demenz-Belastung in unserer Gesellschaft zu verringern.
Im Marion von Tessin Memory-Zentrum verfolgen wir diese Entwicklungen aufmerksam und setzen uns dafür ein, dass Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen bestmöglich unterstützt werden – von der Prävention über die Diagnostik bis zur umfassenden Betreuung. Lebensqualität erhalten ist unser Leitbild, dem wir täglich gerecht werden möchten.
Quellen und weiterführende Informationen
[1] Eyting M, Xie M, Michalik F, Heß S, Chung S, Geldsetzer P: “A natural experiment on the effect of herpes zoster vaccination on dementia”, Nature, 2. April 2025. DOI: 10.1038/s41586-025-08800-x URL: https://www.nature.com/articles/s41586-025-08800-x
[2] Universitätsklinikum Heidelberg: “Epidemiologische Studie zeigt: Impfung gegen Gürtelrose könnte das Risiko, an Demenz zu erkranken senken – vor allem bei Frauen!”, Newsroom UKHD, 10. April 2025. URL: https://www.klinikum.uni-heidelberg.de/newsroom/epidemiologische-studie
[3] Deutsches Ärzteblatt: “Herpes zoster: Impfstoff könnte vor Demenz schützen”, News, 2. April 2025. URL: https://www.aerzteblatt.de/news/herpes-zoster-impfstoff-konnte-vor-demenz-schutzen
[4] Kornelius E et al.: “Association of herpes zoster vaccination and cardiovascular risk in patients with diabetes: long-term insights from a retrospective cohort study”, BMJ Open, Februar 2025. DOI: 10.1136/bmjopen-2024-090428
[5] Taquet M et al.: “The recombinant shingles vaccine is associated with lower risk of dementia”, Nature Medicine, Oktober 2024. DOI: 10.1038/s41591-024-03201-5
[6] Pomirchy M et al.: “Herpes Zoster Vaccination and Dementia Occurrence”, JAMA, April 2025. DOI: 10.1001/jama.2025.5013
[7] Robert Koch-Institut: “STIKO-Empfehlungen zur Herpes-zoster-Impfung”, Epidemiologisches Bulletin, 2024. URL: https://www.rki.de
[8] Schörken H: “Herpes-zoster-Impfung schützt vor Herzinfarkt und Demenz”, HERZMEDIZIN, 8. Mai 2025. URL: https://herzmedizin.de
Wir sind für Sie da
Im Marion von Tessin Memory-Zentrum stehen wir Ihnen mit unserem multiprofessionellen Team zur Seite. Das Marion von Tessin Memory-Zentrum widmet sich den Themen Gedächtnisstörungen und Demenz auf der Grundlage eines umfassenden und integrativen Konzepts für Betroffene und Angehörige im Rahmen von Demenz-Ambulanzen und einer Demenz-Tagesklinik zur Diagnostik und Behandlung sowie Demenz-Tagespflegen.
Unsere Angebote:
- Demenz-Ambulanzen: Demenz-Beratung und -Diagnostik für Betroffene und Angehörige
- Demenz-Tagesklinik: Multiprofessionelle Behandlung mit allen Therapieformen
- Demenz-Tagespflegen: Professionelle Betreuung zur Entlastung von Angehörigen
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